„Kontaktabbruch“ mit Tina Soliman

Frau Soliman, Journalistin, ist Mitgestalterin der ZDF Reihe 37°.
Im Zuge dessen drehte sie den Film „Funkstille“, der ihr sehr viel Resonanz einbrachte. Dies motivierte sie, sich weiter mit dem Thema Kontaktabbruch zu beschäftigen. Inzwischen hat sie das dritte Buch dazu geschrieben und mit mehr als 1000 Personen auf beiden Seiten Interviews geführt. Folgende Einblicke hat sie dabei gemacht:

  • Die Schamschwelle ist sehr hoch, man redet nicht darüber;
  • Kontaktabbruch ist in unserem System nicht angelegt;
  • Es greift die Berechtigung der Existenz an;
  • Man erlebt gravierende Ablehnung;
  • Es ist eine massive Attacke gegen die eigene Identität;
  • Es gibt aber einem auch die Chance, sich an eigene Wunden zu wagen;
  • Therapien bieten eine Möglichkeit dazu;
  • Transzentrale Weitergabe ist anzuschauen (Kriegskinder, Kriegsenkel);
  • Sind Verhaltensmuster weitergegeben?;
  • Hat der Betroffene, bewusst oder unbewusst, die Kinder zu „Containern“ werden lassen, z.B. durch unverarbeitete Traumatas?;
  • Man sollte prüfen, ob eine Bindungsstörung vorliegen könnte;
  • Die häufigste Aussage der Abbrecher lautet: Ich habe kommuniziert, aber ich wurde nicht gehört;
  • Es geht immer um Machtverhältnisse;
  • Als Betroffener fühlt man Entwürdigung, muss man auch auf sich selbst achten, um nicht noch weiter gedemütigt zu werden;
  • Nicht dem Abbrecher hinterherrennen… aber… die Tür immer offen lassen;
  • Einladungen, z.B. zu einer Familienfeier, dem Abbrecher zukommen lassen, ohne Erwartungen!;
  • Die Abbrecher wünschen sich meist, dass sie gesehen werden; müssen aber auch akzeptieren, wenn sie nicht eingeladen werden;
  • Sie können ihre Wurzeln nicht kappen;
  • Es ist keine Vermittlerrolle gewünscht;
  • Geschwister sollte man außen vor lassen;
  • Es gibt keine pauschale Konfliktbewältigungsstrategie;
  • Auf jeder Seite bleiben Verwundete zurück, beide Seiten müssen an sich arbeiten;
  • 90% der Abbrecher sind darüber unglücklich und leiden, können aber nicht aus ihrer Haut;
  • Sie vermissen ihre Eltern, ertragen aber den Kontakt nicht;
  • Das Unausgesprochene wird nicht ausgesprochen;
  • Dieses kann zu neurotischem Verhalten führen;
  • Hat man es im Tiefsten erahnt?;
  • Bei einer Annäherung unbedingt zuhören!;
  • Darauf eingehen, Verständnis zeigen, sich aber nicht verleugnen, denn die Wahrnehmungen sind verschieden;
  • Ganz vorsichtig vorgehen, nicht mit Erwartungen überfrachten;
  • Kontaktabbruch ist hoffähig bei Paaren geworden, Konfrontationen sind nicht mehr auszuhalten;
  • Der Begriff „Blockieren“ ist in der digitalen Welt, salonfähig geworden;

Notizen des Online SHG-Abends „Kontaktabbruch“ mit Frau Tina Soliman, 21.5.21 von Sigrid Lang
Leitung Frau Gisela Kurath

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