Grübeln

Zu unserem Treffen im Monat Juli hatten wir Frau Petra Keller zu Gast, die als Dipl.Soz.Päd., sowie als Personalmanagerin und Business Coach beruflich unterwegs ist.

Als Thema hatte sie „Grübeln“ ausgewählt, dass wir, als „Verlassene Eltern“ nur allzu gut kennen.

Sie erläuterte in 14 Tipps, wie man erlernen kann, diese Endlosschleife zu stoppen.

Die Definition zu Grübeln lautet, laut Duden, „lange und intensiv über etwas nachdenken“.

Was das im Leben dann aber konkret bedeutet, konnte jeder von uns Teilnehmern sich selbst beantworten.
Dass Grübeln auch chronisch werden kann, bestätigte Frau Keller indem sie auch davor warnte, dass allzu vieles grübeln krank machen könne.
Es folgte ein Austausch wobei man entdecken konnte, wie unterschiedlich wir auf diese verschiedenen Tipps reagieren. Dabei es aber gut und wichtig ist, solch eine Auswahl haben zu dürfen.
Am Ende des Abends nahm uns Frau Keller mit auf eine Phantasiereise, die uns eine wohltuende Entspannung brachte.

Dieser Abend hat uns allen sehr wohl getan und wir werden Frau Keller sehr gerne wieder zu uns einladen.

Erinnert haben mich diese Tipps an den Newsletter, der vor kurzem aus dem Kloster Benediktushof herausgegeben wurde und das große und wichtige Thema „Selbstfürsorge“ hat. Ich finde den Text sehr motivierend, deswegen wird er unten aufgelistet.

Ich wünsche viel Freude und Tatendrang für jeden Leser:in.

Sigrid Lang

„Von der Selbstliebe oder dem Ja zum Nein“

von Irene Schneider

Mitglied der spirituellen Leitung

„Hast du dich selbst lieb, so hast du alle Menschen lieb wie dich selbst.“

(Meister Eckhart)

Die Beziehung zu mir selbst ist die längste Beziehung im Leben und von der Qualität dieser Beziehung hängt wesentlich ab, wie ich das Leben erfahre und gestalte.
Auf dem Büchermarkt finden sich ebenso wie im Internet viele Ratgeber, die die Verbesserung der Beziehung zu sich selbst bis hin zur Selbstliebe und Selbstfürsorge als Thema haben. Dieses scheint einen Nerv und ein Bedürfnis zu treffen, wenngleich es Thema zu allen Zeiten war. Gleichzeitig gab es selten so viele Möglichkeiten der Selbstdarstellung und einen solchen Drang zur Selbstoptimierung wie aktuell durch die sozialen Medien, in denen man sich schön und dazugehörig, leistungsorientiert und erfolgreich darstellen sowie voneinander abheben kann. Auch der Markt der spirituellen Möglichkeiten und das karitative oder ökologische Engagement können zur Selbstdarstellung genutzt werden.
Wenn sich darin egoistische Selbstbezogenheit oder narzisstische Selbstverliebtheit zeigt, hat das nichts mit Selbstliebe zu tun. Denn es ist persönliche Unsicherheit, meist unbewusste Selbstkritik oder gar Selbstablehnung, die sich hinter der Selbstoptimierung und Selbstdarstellung verstecken.

Selbstliebe ist das Gegenteil. Selbstliebe bedeutet, dass ich mich selbst und alles, was mich ausmacht, in das Energiefeld der Liebe einbeziehe. Ich sage Ja zu dem was ist, was mein Leben aktuell ausmacht, was meine Wirklichkeit ist. Ich empfinde Mitgefühl für mich selbst, gerade wenn ich mich in einer schwierigen Situation befinde oder Selbstzweifel erlebe. Meist haben wir mit den anderen mehr Mitgefühl als mit uns selbst. Ein Satz wie „Ich bin nicht genug“ mit all seinen individuellen Variationen lässt uns streng und kritisch mit uns selbst umgehen. Es ist das Nein sich selbst gegenüber, das die Selbstverurteilung und Selbstentwertung bestimmt sowie das Selbstmitgefühl und die Liebe zu sich selbst verhindert.

Selbstliebe bedeutet Bejahung und letztendlich radikale Bejahung: Ja auch zum Nein, das ich im Augenblick mir selbst gegenüber spüre. In der Selbstliebe verbinde ich mich mit mir und allen Aspekten, die ich gerade an mir wahrnehme, auch jenen, die ich ablehne. Ich sage sogar Ja zu der Tatsache, dass ich gerade einen Aspekt an mir ablehne, statt dies in überzogener Selbstdarstellung zu überspielen. In der Folge kann es sogar passieren, dass das Nein durch die Kraft des Ja verwandelt wird. Der Gesprächstherapeut Carl Rogers hat es folgendermaßen ausgedrückt: „Wenn ich mich so wie ich bin akzeptiere, dann ändere ich mich. Ich bin davon überzeugt, dass wir uns nicht ändern können … bis wir völlig akzeptieren, was wir sind. Dann ereignet sich fast unmerklich die Veränderung“.

Doch Selbstliebe ist absichtslos; sie öffnet einen Raum für das Da-Sein-dürfen, in dem Verwandlung sich ereignen und Verbundenheit erfahren werden kann. Ein solches Ja und die Verbundenheit sind dabei nicht ein Ergebnis meiner aktiven Bemühungen. Sie sind vielmehr schon immer da und ich öffne mich dafür im Hier und Jetzt, lasse mich damit verbinden. Denn ich lebe in einem großen Ja, bewege mich in einem Raum der Liebe, bin in der Verbundenheit.
Solche Selbstliebe bedeutet: ich höre das Ja zu mir, lasse mich davon berühren und es zu einem Ja zu mir selbst werden, das sich ausdrückt in Selbstfürsorge und Selbstmitgefühl. Sie bedeutet: ich lasse mich in das Energiefeld der Liebe hineinnehmen und von ihr durchströmen; ich lasse mich lieben mit meiner „Wunde der Ungeliebten“, wie sie Peter Schellenbaum nennt. Diese Art der Selbstliebe oder besser gesagt: des Geliebtwerdens als ein Sein in der Liebe wird zur Quelle einer Liebes- und Lebenskraft, die mich lebendig sein lässt, weiterfließt zu den Menschen und sich ausdrückt als ein engagiertes Ja zum Leben.

Irene Schneider, Newsletter 18.7.21, Benediktushof Holzkirchen

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