Unser erstes Treffen im neuen Jahr musste leider wieder online stattfinden. Aber wir stellten fest, dass dies eine nicht zu verachtende Möglichkeit ist, sich zu sehen und sich auszutauschen.
Dieses Mal gab es die Geschichte einer Tür zu hören. An diesem Text orientierten wir uns, um zu sehen, wo wir gerade mit der Situation des Kontaktabbruches stehen.
Egal ob der Schlüssel der Tür noch tief vergraben liegt, ob man meint, dass der Efeu schon oben fest angewachsen ist oder ob die Tür am Ende sogar verschweisst sei, wir alle waren uns einig, dass wir nicht aufgeben werden, unsere Kinder zu lieben und ihnen dies auch z.B. durch Kartengrüße zu zeigen.
Auch online wurde eine geballte Kraft spürbar, die uns stärkte.
Albert Schweitzer sagte einmal:
„Hoffen ist Kraft. Es ist so viel Energie in der Welt, als Hoffnung in ihr ist. Und wenn nur ein paar Menschen miteinander hoffen, dann wirkt um sie eine Kraft, die nichts niederhalten kann, sondern die sich ausdehnt auf andere.“

Diese Karte mit den geöffneten Türen soll uns Mut und Kraft schenken.
Die Tür
Es war einmal eine Tür und sobald das Sonnenlicht auf sie fiel, glänzte sie und strahlte dabei eine behagliche Atmosphäre aus.
Sie schaffte einen Rückzugsort und diente auch mal als Garderobe.
Ungebetene Personen durften nicht hindurch und hatte jemand einen Zorn, diente sie zum Abreagieren, in dem sie laut zuknallte.
Schloss man sie allerdings leise, spendete sie Rücksicht, was jedem um sie herum wohl tat.
Sie hörte auf zu zählen, wie oft sie geöffnet oder geschlossen wurde, denn das schien mühsam bis unmöglich.
Diese Tür hatte das Leben in sich.
Was auf jeden Fall noch erwähnt werden muss, ist das Schloss, dass diese Türe zierte. Darin steckte ein großer Schlüssel, der aber mehr einer Dekoration diente, als das er nützlich war.
Bis auf den Tag, als er fest in eine Richtung gedreht wurde, um diese Tür zu verschließen.
Danach ist der Schlüssel nicht mehr aufgetaucht und wurde zu einem überaus gesuchten Objekt, dass man sehnlichst wieder finden wollte.
Viel Zeit ging in das Land und im Außenbereich der Tür schlang sich Efeu an ihr hoch, bis sie ganz hinter diesem Grün verschwunden war.
Da man den Schlüssel immer noch nicht gefunden hatte, konnte niemand diese Tür öffnen und die Schlingpflanze machte die Sache nicht einfacher.
Doch nicht nur der Efeu umhüllte die Tür. Unsichtbare und doch enorm spürbare Gefühle wie Trauer, Einsamkeit, Unverständnis, Wut, Hilflosigkeit, Ohnmacht, Leere und Depression umgaben sie ebenso.
Ein eisiger Winter stand bevor, das Wetter und die Gefühle vereinten sich so stark, dass eine große Starre jegliches Bewegen hinderte.
Zeit verlor jegliche Bedeutung – Anfang und Ende vermischten sich –
Doch eines Tages tauchten ein paar Sonnenstrahlen auf, das Leben kam zurück. Wärme wurde erspürt, täglich etwas mehr und taute langsam alles Eis und jegliche Starre.
Die Schlingpflanze entpuppte sich als braunes Erfrorenes etwas und man beschloss, sie endlich zu entfernen.
Stück für Stück wurde mit einer scharfen Schere der Efeu zurückgeschnitten und damit kam immer mehr die Türe zum Vorschein.
Als man die Wurzeln herausriss, entdeckte man den verloren gegangenen Schlüssel. Etwas verrostet lag er genau unter der Tür.
Man ließ es sich nicht nehmen und steckte das wiedergefundene Stück sogleich in das Schloss. Es brauchte etwas Geduld und Einfühlungsvermögen, doch dann ließ sich das Schloss, welches auch in die Jahre gekommen war, öffnen.
Die Tür quietschte und knarrte, schien unbeweglich geworden zu sein, doch plötzlich sprang sie einen Spalt auf.
Das Leben kam zurück.
Man spürte, dass Vorsicht geboten ist, auf keinen Fall wollte man etwas zerstören, was schon Schaden genommen hat.
Aber, die Freude über die geöffnete Tür überspielte alle Vorsicht und man erkannte, dass auch eine Eiszeit ihren Sinn haben kann.
Sigrid Lang

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