Treffen am 26.03.2022
Wir wissen, dass bei Eltern, die von ihren Kindern durch einen Kontaktabbruch verlassen werden, meist auch Verletzungen entstehen, mit denen man teils nur schwer umgehen kann. Man fragt sich: „Wie kann mir mein Kind so etwas antun?“
Um solche gravierenden Einschnitte im Leben verarbeiten zu können, ist die Bereitschaft zur Vergebung ein sehr hilfreicher Weg. Darüber referierte Sr. Rita-Maria bei unserem letzten Gruppentreffen.
Sie zeigte auf, dass Vergeben keine Spontanaktion ist, sondern ein teilweise langwieriger Prozess. Der erste Schritt sollte sein, sich einzugestehen, dass man von seinem eigenen Kind verletzt wurde. Sich seinen eigenen Schmerz anschauen, ihn benennen, zulassen und „bergen“.
Ich darf klagen, weinen, wütend sein; entweder in Begleitung einer Person meines Vertrauens, alleine bei einem Spaziergang in der Natur oder auch in Form des Niederschreibens meines Kummers. Wer Zugang zum christlichen Glauben hat, findet auch in Jesus einen verständnisvollen Ansprechpartner.
Sr. Rita-Marias Vortrag strich auch sehr deutlich heraus, dass man sich nicht seiner Würde berauben lassen darf – die kann einem niemand nehmen! Wenn man vergeben kann, tut man es primär zu seinem eigenen Schutz und Wohlergehen.
Im Laufe der Zeit wird man spüren, wann sich Vergebungsbereitschaft einstellt. Man kann sich dafür ein sehr individuelles Ritual hierfür schaffen, z.B. indem vorher aufgeschriebene Verletzungen verbrannt werden und man sich dadurch auch visuell davon trennt.
Allerdings sollte man sich gewiss sein, dass eine ausgesprochene Vergebung nicht per se seine Gefühle und Emotionen davon befreit. Vergebene Verletzungen können „nachklingen“ und es braucht möglicherweise einen langen Weg zur vollständigen Heilung.
Diese Gefühle sollte man geduldig „anschauen“ und sie nicht ablehnen – und je nachdem wie tief die Kränkungen saßen – sie werden mit der Zeit schwächer werden!
Dieses Referat setzte bei uns viele Emotionen frei; bei einigen Gruppenmitgliedern wurden die Gedanken bis in die eigene Kindheit gelenkt. So stellte sich auch die Frage, ob man sich selbst vergeben kann oder soll?
Jedoch konnten wir aus Zeitmangel darauf nicht mehr eingehen. Zudem hätte es uns an diesem Tag wohl auch überfordert. Wir werden mit Sr. Rita-Maria diesen Weg weiter gehen, denn das Ziel lohnt sich.
An dieser Stelle vielen herzlichen Dank für die angenehme, warmherzige und kompetente Art, mit der uns Sr. Rita-Maria diesem sensiblen Bereich der Vergebung näherbrachte.
Thomas Lang


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